Reisetipp Peru – meine 6 Höhepunkte

Peru bietet viel Abwechslung: Küste, Meer, Gebirge, Tiere und jede Menge Kultur. Leider hat auch hier der Kolonialismus seine Spuren hinterlassen und großen Einfluss genommen auf das heutige Leben. Jahrhunderte lang wurde die indigene Bevölkerung ausgebeutet und die katholische Kirche versuchte, sowohl die indigene Religion, als auch die Kultur zu vernichten und durch europäische Strukturen zu ersetzen. 1821 erlangte Peru seine Unabhängigkeit. Besonders einige Sehenswürdigkeiten der Inka sind noch erhalten geblieben und zählen zu den bekanntesten kulturellen Stätten der Menschheit, allen voran Machu Picchu.

Wer nach Peru reist, wird wahrscheinlich zunächst in Lima auf Meereshöhe landen. Eine Weiterreise zu den anderen Höhepunkten des Landes ist meistens verbunden mit einem deutlichen Höhenunterschied, der oft auch in kurzer Zeit bewältigt werden muss. Viele Sehenswürdigkeiten liegen deutlich über 3000 Meter Meereshöhe. Daher empfiehlt sich eine ausreichende Akklimatisation, um sich an die Höhe in den Anden zu gewöhnen und nicht beim Gang durchs Treppenhaus eines Hotels in Cusco zu kollabieren. Aufgrund einiger politischen Unruhen in den letzten Jahren lohnt sich auch eine Blick auf Hinweise des Auswärtigen Amts zur Reisesicherheit in Peru.

Hier meine Highlights im Rahmen einer Rundreise durch Peru:

1. Astronaut, Spirale und Eidechse: Die Nazca-Linien

2. Empanadas aus dem traditionellen Lehmofen

3. Anden-Kondore im Colca-Tal

4. Kloster Santa Catalina in Arequipa

5. Hochebene Pampa de Canahuas

6. Einmal im Leben: Machu Picchu

1. Astronaut, Spirale und Eidechse: Die Nazca-Linien

Als ich auf einem Rastplatz eines südamerikanischen Teils der Panamericana stand, der längsten Schnellstraße der Welt zwischen Alaska (USA) und Feuerland (Argentinien), war allein diese Tatsache ein Erlebnis für mich. Unendlich geradeaus bis zum Horizont verlaufend, rollten donnernd riesige Trucks an mir vorbei und ließen den brüchigen Asphalt erzittern. Was mir nicht klar war: An dieser Stelle einer trockenen Hochebene durchschneidet die Panamericana die „Eidechse“.

Die Eidechse ist ein riesige historische Figur im Wüstenboden. Wer in der Wüste steht, kann weder die „Eidechse“ überschauen, noch die anderen Figuren wie „Kolibri“ oder „Affe“, die sich auf der angrenzenden 500 km² großen Fläche nahe der Stadt Nazca erstrecken. Nur aus großer Entfernung, von den Bergen oder aus dem Flugzeug, sind die Figuren und geometrischen Flächen und Linien zu erkennen. Wer auf den Aussichtsturm „Mirador“ des Rastplatzes steigt, kann zumindest die Figuren „Baum“ und „Hände“ bewundern. Noch imposanter ist alles vom Flugzeug aus. Hier erkennt man die Ausmaße der faszinierenden, zehn bis mehreren hundert Meter großen Figuren im Boden, die durch Wegscharren der obersten Gesteinsschicht entstanden sind. Sie wurden erst in den 1920er Jahren beim Überfliegen des Gebietes entdeckt.

Der Hartnäckigkeit einer in Peru lebenden deutschen Lehrerin und Archäologin namens Maria Reiche ist es schließlich zu verdanken, dass die Linien erforscht und historisch eingeordnet wurden als bedeutender archäologischer Fund, der auf die Nazca-Kultur zwischen 200 v. Chr. und 600 n. Chr. zurückzuführen ist. Die nach der Kultur benannten Nazca-Linien wurden mittlerweile als UNESCO-Weltkulturerbe eingestuft und 2025 wurde die Geschichte Maria Reiches in Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca-Linien verfilmt. Ich empfehle einen Rundflug vom Flughafen „Maria Reiche Neuman Airport“ in Nazca.

2. Empanadas aus dem traditionellen Lehmofen

Gefüllte Teigtaschen sind in vielen Kulturen eine Delikatesse: Gözleme in der Türkei, Momos in Nepal, Gyosa in Japan oder Dumplings in China. Südtiroler Schlutzkrapfen und Schwäbische Maultaschen zählen selbstverständlich auch dazu. Bei der südamerikanischen Variante, den Empanadas, die aus einem traditionellen Lehmofen in Pisac direkt auf meinem Teller landeten, läuft mir heute noch das Wasser im Munde zusammen.

Grundlage eines südamerikanischer Empanada-Teigs ist Weizenmehl, Butter, Wasser, Salz und Ei. Diese Zutaten ergeben einen leicht mürben Knetteig, der mit verschiedenen Zutaten gefüllt werden kann und beim Backen wunderbar knusprig und blättrig wird. Kommt er dann auch noch frisch aus dem mit Holz geheizten traditionellen Lehmofen wie im Pumachayoc Horno Colonial Restaurant in Pisac, ist bestens für rastende Pumas gesorgt. Denn in der Quechua-Sprache, der mistgesprochenen indigenen Sprachfamilie Südamerikas, bedeutet „Pumachayoc“ übersetzt „Ort des rastenden Pumas“. Denn vor 20 Jahren wurde im nahegelegenen Quitamayu-Fluss tatsächlich ein Andenpuma beim Trinken gesichtet.

Der Familienbetrieb ist bekannt für die Bewahrung lokaler Kultur und traditioneller Bräuche. In der Küche werden biologische Produkte und Mehl aus der Umgebung verwendet. Die Empanadas werden mit würzigem Inhalt wie Käse, Tomaten, Zwiebeln, Rosmarin und Pfeffer oder süßen Zutaten wie Äpfeln, Ananas, Papaya, Honig und Zimt gefüllt. Sie eignen sich als Frühstück oder Snack. Verschiedene Bereiche des Anwesens laden zum Verweilen ein und zeugen durch Statuen von Pumas, Kondoren und Inka-Symbolen von der lokalen Kultur. Ernestina, die herzliche Chefin des Hauses, bietet auch Empanada-Kochkurse an, bei denen sich Gäste ihre eigene Teigtasche beginnend vom Kneten des Teiges über das Befüllen dann selbst backen können. Adresse: Pumachayoc Horno Colonial Restaurant, Av. Federico Zamalloa S/N, Pisac.

Ein Besuch des Restaurants kann übrigens gut kombiniert werden mit den Inka-Ruinen von Pisac, die im „Heiligen Tal“ (Valle Sagrado) liegen. 

3. Anden-Kondore im Colca-Tal

Etwa 100 km nördlich von der peruanischen Stadt Arequipa gelegen befindet sich einer der tiefsten Canyons unserer Erde: Die Colca-Schlucht, die an der tiefsten Stellen über 3000 m tief ist. Durch ihre Lage begünstigt sie an einigen Stellen thermische Aufwinde. Diese Aufwinde nutzt wiederum der größte Flugvogel der Welt, um sich in den Himmel treiben zu lassen: Der Kondor.

Besonders gut kann dieses Spektakel früh morgens am Aussichtspunkt Mirador Cruz del Cóndor beobachtet werden. Dort fällt der Blick tief in den Canyon hinein. In den dortigen schroffen Felswänden nisten die majestätischen Andenkondore und starten bei Sonnenaufgang zu ihren Gleitflügen auf der Suche nach Nahrung. Spätestens, wenn sich ein dunkler Schatten eines bis zu 3 Meter Spannbreite großen Vogel über die Besucher wirft, hat sich das frühe Aufstehen gelohnt – einfach atemberaubend.

Die besten Chancen, Kondore zu beobachten, bestehen morgens zwischen 7 und 10 Uhr sowie am späten Nachmittag ab 16.30 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit. Für den Besuch des Colca-Tals wird ein Touristenticket benötigt, dass am Kontrollpunkt zum Canyon in der Stadt Chivay oder online erhältlich ist.

4. Kloster Santa Catalina in Arequipa

Das Kloster in der peruanischen Stadt Arequipa wurde 1580 der heiligen Katharina von Siena geweiht und ist erst seit einer Renovierung im Jahr 1970 teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich. Zuvor lebten dort Jahrhunderte lang bis zu 150 Nonnen und 300 Bedienstete weitgehend abgeschottet. Besonders eindrucksvoll ist der farbenfrohe Kontrast, mit denen die Wände des Klosters gestaltet sind, besonders im Vergleich zu den vielen hellen historischen Gebäuden aus weißem Sillar-Gestein im Zentrum Arequipas, die der Stadt den Beinamen „weiße Stadt“ geben. Die roten und blauen Wände bieten viele schöne Fotomotive. Weitere Informationen über das Kloster gibt es hier: Santa Catalina.

5. Hochebene Pampa de Cañahuas

Das geschützte Hochlandreservat Pampa Cañahuas liegt auf dem Weg von Arequipa zum Colca-Tal auf einer Höhe von etwa 3.500 bis 4.000 Metern. Hier ist der blaue Himmel noch blauer und das Gelb der weiten Landschaft noch gelber. Zusammen ergibt beides einen wunderbaren Kontrast, an dem man sich nicht genug satt sehen kann. Viele Fotostopps laden zum Verweilen ein: Atemberaubende Panoramen auf die markanten Andenvulkane Misti, Chachani und Pichu Pichu, wild lebende Vikunjas oder Alpakaherden.

6. Einmal im Leben: Machu Picchu

Na klar! Darf natürlich nicht fehlen: Einmal im Leben vor einer der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Welt posieren. Mittlerweile ist der Besucherstrom durch Zeitfenster geregelt – hier empfiehlt sich eine frühzeitige Buchung der verschiedenen Ticketoptionen über die verschiedenen Kanäle, z.B. über die offizielle Internetseite des peruanischen Kultusministeriums. Parallel dazu sollte die Anreise geplant und mit dem Ticket abgestimmt werden. Es empfiehlt sich, von der Stadt Ollantaytambo in der Region Cusco aus zu starten, entweder per Bus, Zug oder wandernd, z.B. über den berühmten Inka-Trail. Am einfachsten ist es, ein Komplettpaket zu buchen. Dieses beinhaltet eine geführte Tagestour, ausgehend von der Unterkunft, anschließend Fahrt mit Bus und Zug durch den Regenwald bis zum Eingang der Inkaruine, dort 3-4 Stunden Führung und auf gleichem Weg zurück. Der Besuch ist auch selbst organisierbar, gestaltet sich aber komplizierter, da mehrere Verkehrsmittel benutzt und aufeinander angestimmt werden müssen. Egal wie man schließlich hingekommen ist: Wer bei der Aussicht auf die sagenumwobene Inkastadt innehält, spürt in sich die Magie dieses Ortes, der sich jahrelang im undurchdringlichen Urubambatal verbarg und erst Anfang des 20. Jahrhunderts freigelegt wurde.